Die Causa Kuh-KZ

@StefanMeinke fordert mich auf, den Begriff “Kuh-KZ”, den ich vorhin in einem Moment der Empörung auf Twitter geäußert hatte, zu reflektieren. Das tue ich hiermit.

Zunächst einmal muss ich mich selbst dafür kritisieren, dass ich in meiner kleinen Filter-Bubble lebe, die dadurch begrenzt wird, dass ich nun einmal seit geraumer Zeit in der Großstadt lebe und die Produkte im Bio- und Supermarkt, die aus der Ausbeutung von anderen Tieren hervorgehen, mental blockiere. Ich sollte mir viel häufiger bewusst machen, dass Kühe, Schweine, Hühner und etliche andere Wirbeltierkollegen zu Millionen in industriellen Produktionsprozessen geboren werden und sterben, ohne auch nur einen Tag ihres Lebens frei zu sein. Sie werden fixiert, sexuell missbraucht, ihren Eltern entrissen und entweder sofort nach ihrer Geburt oder einem nach betriebswirtschaftlichen Erwägungen festgelegten späteren Zeitpunkt ermordet.

Wäre ich hier bewusster, würde mich der direkte Blickkontakt mit den Orten, an denen dies vollzogen wird, nicht so nachhaltig schockieren, dass ich mich auf eine Art äußere, die andere Menschen verletzt.

Denn mit der Shoa verglichen werden kann die industrielle Tierproduktion natürlich nicht. Auch die nordkoreanischen Arbeitslager, die Gulags der Sovietunion, die Massenmorde der Roten Khmer und andere Genozide, die so genannte Menschen anderen Menschen angetan haben und noch antun, können weder damit noch miteinander verglichen werden. Jedes dieser Verbrechen hat seine eigenen Verursacher, seine eigene fehlgeleitete Ideologie, die ihm zugrunde liegt, und seine eigenen Opfer. Aber sie sollten alle für jeden Menschen, der sie wahrnimmt, unerträglich sein und sofortige Reaktionen hervorbringen. Das mindeste ist, deutlich aufzuzeigen, dass diese Verbrechen stattgefunden haben oder stattfinden und jeden, der sie zu leugnen versucht, mit Fakten bloßzustellen.

Der industrielle Massenmord an Millionen von Mitgeschöpfen in den “Veredelungsbetrieben” dieser Welt wird aber eben nicht dadurch besser, dass es ja keine Menschen sind, sondern andere Tierarten. Wir Menschen, die wir die Herrschaft über diesen Planeten an uns gerissen haben, haben dadurch kein Recht erworben, beliebig zu wüten und auszubeuten. Wir haben vielmehr die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass jedes Wesen auf seine Art leben und glücklich sein kann.

Wer es ertragen kann, dass unsere nächsten Verwandten in engen Boxen ihrem durch ihre wirtschaftliche Ausbeutbarkeit definierten Ende entgegenvegetieren, ist meiner Ansicht nach weit von der Zivilisation, die uns Menschen auszeichnen sollte, entfernt. Ich kann es nicht.

Nie wieder.

2 Responses to “Die Causa Kuh-KZ”

  1. kopfkompass says:

    “Im ersten Quartal 2012 wurden in Deutschland 2 Millionen Tonnen Fleisch in gewerblichen Schlachtbetrieben erzeugt.” Das kann niemand ertragen können, finde ich. Ich habe mir auch ein paar Gedanken dazu gemacht. http://kopfkompass.de/2012/05/2-millionen-tonnen-fleisch-in-91-tagen/

  2. ... says:

    Ich denke, du hättest dich noch deutlicher vom Begriff “Kuh-KZ” distanzieren sollen, auch wenn ich diesen Begriff teilweise nachvollziehen kann.
    Wie du sicher weist, stoßen generell Hitler-, Nazi- und Holocaustvergleiche nahezu immer auf Gegenwehr, mal mehr und mal weniger berechtigt (Siehe Martin Delius, NSDAP).

    Versuche einfach, in Zukunft den Massenmord zu thematisieren, ohne irgendeine Verbindung zum Holocaust herzustellen.
    Das Problem ist halt, das die Mehrheit in D nichts von Antispezistischen Ideen hält und deshalb massenweise Fleisch verzehrt. In diesem Zusammenhang ist das eher kontraproduktiv, Schlachthäuser als Kuh-KZs zu bezeichnen, da das nur den Veganismus/Vegetarismus in Veruf bringt.

    Vegane Grüße

Was denkst du?