Persönliche Erklärung zum Veggie-Day

Die zweite Lesung des Antrags “Bewusst und gesund ernähren, Klima und Tiere schützen – ein Veggie-Day für Berlin” fand gerade ohne Beratung statt und endete mit einer Ablehnung durch Koa und ein paar Piraten gegen Grüne und ein paar Piraten bei Enthaltung Linke und eines Piraten. Ich habe mein Recht als Abgeordneter genutzt, um folgende Erklärung zu meinem Abstimmungsverhalten abzugeben:

Geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen,

wir haben in der Fraktion sehr kontrovers über den Antrag diskutiert. Über die vielen positiven Auswirkungen eines Veggie Day sind wir uns ja vermutlich alle einig. Das einzige scheinbar gültige Gegenargument ist die vermutete Einschränkung der Freiheit, fünfmal in der Woche in der Kantine Fleisch essen zu können, eine Freiheit, die übrigens die Gesellschaft mit hohen Kosten für die Behandlung der Folgen dieser völlig widernatürlichen Fehlernährung belastet.

Dabei wird übersehen, dass die Freiheit der Einen manchmal mit der Freiheit von anderen kollidiert.

Einmal mit der Freiheit der Tiere, nicht ausgebeutet, getötet und gegessen zu werden.

Dann mit der Freiheit der Menschen, für die Nahrungsmittelknappheit ein tägliches Erlebnis ist und die oft gar nichts zu essen haben, weil ihre agrarisch nutzbaren Flächen dafür verschwendet werden, Futter für unsere so genannten Nutztiere anzubauen.

Auch mit der Freiheit der nachfolgenden Generationen, noch eine lebenswerte Erde vorzufinden, die nicht durch die massiven Klimagase aus der völlig aus dem Ruder gelaufenen Fleischproduktion vernichtet wurde.

Und mit der Freiheit der immer zahlreicheren vegetarisch lebenden Menschen, einmal in der Woche ihr Essen in einer Umgebung einnehmen zu können, in der nicht die Überreste getöteter Tiere überall herumliegen.

Zuletzt, und jetzt wundern Sie sich vielleicht, auf mit der Freiheit der Fleischesserinnen, die durch den Veggie-Day einmal in der Woche die Gelegenheit haben, mal etwas neues auszuprobieren, ohne sich gleich den verächtlichen Blicken der Kolleginnen auszusetzen. Wir wissen vielleicht aus eigener Erfahrung, wie eindringlich und schwierig überwindbar karnistischer Gruppendruck sein kann.

Ich habe für die Freiheit und für den Veggie-Day abgestimmt. Wir werden aber, weil der Antrag ja leider abgelehnt worden ist, einen neuen Antrag ins Parlament einbringen, der versucht, die verschiedenen Freiheitsbegriffe noch besser in Einklang zu bringen, sodass alle Menschen, auch die, die meinen, gar nicht auf die tägliche Fleischdosis verzichten zu können, jeden Tag in der Kantine etwas zu essen bekommen können.

Vielen Dank!

Was denkst du?